Der Forensik-Talk: Invasive Krabbler
Shownotes
Dr. Marcus Schwarz und Maximilian Reeg sprechen über invasive Spurenvernichter und giftige Käfer und laden zur fröhlichen Mückenjagd ein…
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00:00:07: Es gibt viel zu besprechen und Gott sei Dank ist er deshalb gekommen, hier ist Dr.
00:00:18: Markus Schwarz.
00:00:19: Hallo!
00:00:20: Lieber Markus ich mache mir große Sorgen um dich und dein Beruf als Entomologe also als Insektenforscher und Ermittler Weil ich gehört habe, dass invasive Arten die Spurenlage komplett wegfressen.
00:00:37: Ja...ja das hab' ich auch gehört!
00:00:41: Und fürchtest du dich schon?
00:00:43: Ich
00:00:43: fürchte mich überhaupt nicht.
00:00:45: Wieso?!
00:00:47: Der mediale Aufschrei von dem ich natürlich auch mitbekommen habe.
00:00:51: Dass die forensischen Entomologen bald alle arbeitslos sind und wir uns dann von Podcasts quasi über Wasser halten müssen in Zukunft Rührte eigentlich aus einem Interview mit einem sehr guten Kollegen von mir zurück.
00:01:07: Und das hat er in dem Interview tatsächlich auch nie gesagt, dass wir bald alle arbeitslos werden.
00:01:12: Er hat es bloß so als kleinen lustig gemeinten Side-Fact miterwähnt!
00:01:17: Der Kollege um den mal vorzugreifen ist Christian von Hörmann und Christian von Herrmann ist Kadawa Ökologe an der Universität Würzburg.
00:01:27: Was macht denn ein Kadaver-Ökologe?
00:01:29: Das ist eine ganz spannende Geschichte, da wurde angefangen im Bayerischen Wald, also im Nationalpark
00:01:35: mit
00:01:36: Ars zu experimentieren und man hat dort ja sehr gute Erfahrungen gemacht das man nach einer Bokenkäferkalamität, also der ganze bayerische Wald ist ja großflächigst abgestorben oder hat man sehr gute Erfahrung gemacht dass Totholz einfach im Wald zu lassen und mittlerweile hat man einen sehr artenreichen und mittlerweile auch wieder hochgewachsenen Nationalpark.
00:01:58: Und dann hat man sich so Gedanken gemacht, das war teilweise in meiner first wissenschaftlichen Ausbildung wie wichtig Todholz im Wald ist.
00:02:06: Man hat sich zig Jahre lang damit beschäftigt was passiert wenn dieses Holz zerfällt?
00:02:11: Die Pilze kommen die Insekten kommen noch eine Generation Insekte kommt der Specht und baut ne Höhle Dann fällt ja Baum um andere Pilze.
00:02:19: Es wurden seitenweise Papier beschrieben und nie hat jemand darüber nachgedacht.
00:02:24: Was passiert denn eigentlich, wenn so ein Reh im Wald stirbt?
00:02:27: Und genau da setzen jetzt die Katarwoökologen an.
00:02:30: Dass sie eben gucken ja was passiert denn jetzt mit der kompletten kurz kettigen Materie?
00:02:35: und das Thema hatte ich ja schon in meiner Masterarbeit.
00:02:41: Schweine hingelegt und geguckt, was passiert eigentlich.
00:02:45: Welche Arten nehmen daran teil?
00:02:47: Und dabei eben auch herausgefunden dass da Zehntausende und hunderttausende Insekten entstehen und diese natürlich wieder eine Futtergrundlage für Vögel Frösche Eidechsen Für andere Insekte.
00:03:00: und da kann man also schon sagen so ein toter Körper Befördert also Ein Ökosystem nicht nur über Wochen sondern teilweise dann auch mit seiner Düngewirkung eben über Jahre.
00:03:12: Also der Kadaveökologe untersucht sozusagen dieses ganze Ökosystem, was auf einem Leichnam entsteht?
00:03:19: Vom
00:03:19: Bakterium bis hin zum Wolf genau!
00:03:22: Genau, der Wolf kommt ja möglicherweise auch und frisst ein bisschen und trägt den Knochen weg und so... Und du würdest dich nur um die Insekten kümmern.
00:03:31: bei dem Vertrauen?
00:03:31: Ich würde mich tatsächlich nur um diese Insekte kümmern und es können tatsächlich an so einem Sechzig-Kilo schweren Hausschweinen hunderttausende neue Fliegen entstehen und aus dieser toten Biomasse wird neues Leben.
00:03:48: Und weil das natürlich nicht nur für den Bayerischen Wald interessant ist, gibt es mittlerweile fast in jedem Nationalpark derartige Arsprojekte die aber letztlich aus einem Projekt zum einen im Wattenmeer und eben auch im Bayerische Wald herausgekommen sind.
00:04:05: also man muss es hier bei diesem Experiment wo eben dann Wir alle arbeitslos werden auch sagen, da lag ein Toter Wiesent im bayerischen Wald.
00:04:15: Ich glaube auf der Höhenlage von grob neunhundert Metern.
00:04:18: Ein Wiesend ist eine Art Rind?
00:04:21: Wildes
00:04:22: Rind!
00:04:22: Also sehr groß, büffelartig...
00:04:25: Quasi der europäische Büffel.
00:04:27: Genau war schon mehr oder weniger ausgestorben ist aber durch.
00:04:30: in Osteuropa gab es noch Exemplare so dass die jetzt auch wieder die Wälder besiedeln.
00:04:35: Wiesente sind riesige gehörnte Waldbüffle.
00:04:39: Ja, das trifft ziemlich gut.
00:04:41: Und
00:04:41: da ist auch schnell mal eine Tonne Material?
00:04:44: Eine Tonne würde ich nicht sagen aber so sechs oder hundert Kilo könnten es schon werden wenn sie gut im Futter stehen würde ich sagen.
00:04:52: Eins dieser Tiere ist glaube ich in einem Tierpark dann eines natürlichen Todes gestorben und dann will man das als erstes schnell loswerden könnte ich mir vorstellen.
00:05:01: Das heißt die Tierkörperverwertung wird schon einen dauerhaften Vertrag haben einer Verbrennung oder eine Umwandlung in Biodiesel schon vorgesehen haben, aber in diesem Moment ergriff jetzt eben dieses AS-Ökologieprojekt und man hat auf einem vorher ausgemachten Gebiet dieses Visent hingelegt es mit allerlei... Fallen ausgestattet, es mit Temperatur-Messsonden und Luftfeuchtemessern ausgestattert.
00:05:30: Dazu noch eine Wildkamera aufgestellt oder mehrere sogar und hat jetzt dieses Tier quasi in eine permanente Überwachung gebracht.
00:05:37: Da wurden in regelmäßigen Abständen Proben entnommen Und jetzt hat man festgestellt dass da auf einmal In dieser Höhenlage wo's eigentlich immer vergleichsweise relativ kühl ist Eine Fliegenart aufgetaucht ist die eigentlich aus dem Mittelmeerraum kommt.
00:05:52: Also die gehört gar nicht hierher.
00:05:54: Durch den Klimawandel derzeit unser größtes existenzielles Problem, ist die aber eingewandert.
00:06:01: Und sie ist mehr oder weniger ein Vorbote für das was vielleicht noch kommt weil die Fliege macht uns gar nicht so große Probleme.
00:06:10: also dass die hier hin und wieder vorkommt.
00:06:13: es seit ungefähr zwei tausend drei vier fünf bekannt da gibt's die also das erste mal auch in der wissenschaftlichen Fachliteratur von uns dass man also festgestellt hat, dass sie sich eben aus ihrem eigentlichen Refugium immer weiter Richtung Norden verlagert und je wärmer es wird dann auch bei uns dauerhaft heimisch wird.
00:06:34: Dass ein paar Tiere den Winter überstehen und im nächsten Jahr sofort wieder an der Tür klopfen.
00:06:40: Also
00:06:41: diese Fliege braucht sozusagen bestimmte Bedingungen zum Leben?
00:06:45: Genau!
00:06:45: Und durch den Klimawandel verschieben sich Klimazonen?
00:06:48: Ja
00:06:49: Dadurch wird es in Gebieten, die an den Lebensraum den ursprünglichen dieser Fliege angrenzen.
00:06:53: Wird es wärmer und dann kann die Flieger auch in diesen Lebensraum einwandern... ...und sich dort festsetzen.
00:06:58: So
00:06:59: sieht das aus!
00:06:59: Und
00:06:59: so geht das immer weiter, je wärmer es wird umso größer ist sozusagen der Bereich, in dem diese Fliegue agieren kann.
00:07:07: In Deutschland geht es meistens im Südwesten los also Regionen um Freiburg da wo's halt auch sehr zeitig im Frühjahr schon früher aus Haft total sommerliche Temperaturen gibt und es wandert dann schrittweise quasi von unten nach oben durch.
00:07:25: Und mittlerweile kommt diese Fliegenart auch wirklich flächendeckend vor, die hat aber eine kleine fiese Marotte muss man sagen.
00:07:34: Die ernährt sich nämlich nicht nur vom toten Körper sondern wenn die Fliege kommt und Eier ablegt, ernähren sich die Larven die daraus schlüpfen im ersten und zweiten Larvenstadium jagend primär von anderen Fliegenlarven, die wir ja eigentlich als Spur nutzen.
00:07:51: Okay also da kommt diese Idee her dass der lateinische Name dieser Schmeißpflege ist Krusumia albiceps.
00:08:01: und da kommt also diese Idee hierher das diese Pflege eure Spuren vernichtet.
00:08:05: Genau!
00:08:05: Und es tut sie tatsächlich auch aber sie ist nicht so exakt dass sie hundert Prozent der Spuren vernichtet.
00:08:12: Das heißt, wir sehen auch immer noch eine andere Besiedlung.
00:08:16: Die sind also nicht so effektiv, dass sie wirklich jede andere Fliegenlarve finden und die sofort umbringen und fressen sondern wir finden dann teils eine fünfzigprozentige bis zu seventy prozentige Anhäufung an.
00:08:29: eben Grusomia albiceps und der Rest sind dann eben andere Fliegenarten.
00:08:34: Und zudem wissen wir natürlich auch, wenn Grüß am Jahr Albizeps da ist wie alt diese Tiere sind.
00:08:39: Weil auf über die haben wir natürlich genau solche Wuchsdaten wie über die anderen Tiere auch.
00:08:45: Die haben halt bloß eine andere Futterquelle.
00:08:47: deswegen gibt es da so einen kleinen Delay den man aber theoretisch raus rechnen kann.
00:08:52: und bisher habe ich zum Beispiel hier im Leipziger Raum diese Tiere auch noch nie bei Wohnungsleichen gefunden Sondern immer nur im Freiland.
00:09:01: Das heißt, die sind schon eher an natürliche Ökosysteme gekoppelt.
00:09:05: und das Wunderbare ist selbst der Leier erkennt diese Maden sofort.
00:09:10: Aber nicht unbedingt die Fliege!
00:09:12: Die Fliegue
00:09:13: ist ja eine schillernd-grüne Schmeißfliege wie wir die
00:09:16: Kellen so grünlich
00:09:17: bläunlich schimmend und eigentlich so mit bloßem Auge erstmal kaum zu unterscheiden.
00:09:22: aber im
00:09:23: Laufenstadium haben diese Tiere im Vergleich zu allen anderen Fliegenmaden Zackenähnliche Anhängsel und die sehen wirklich aus wie eine Made als Igel verkleidet.
00:09:35: Okay, was machen die mit ihren zackigen Anhängseln?
00:09:38: Sind sie zur Verteidigung oder um Beute zu greifen oder einfach zum Spaß?
00:09:43: Die
00:09:43: sind tatsächlich designtechnisch so entstanden.
00:09:46: diese Wiederhaken, die da an diesen Körperenden dann sitzen, die sind eigentlich primär zur Bewegung angelegt.
00:09:53: ob die damit jetzt durch komplizierteres Gewebe besser durchkommen Kann ich mir kaum vorstellen, also die wirklich physiologische Funktion dieser Zacken hat sich mir persönlich jetzt noch als kein Konkurrenzvorteil gegenüber der in anderen Maden irgendwie hervorgetan.
00:10:08: Sie sind dadurch nicht unbedingt schneller was ganz spannend ist.
00:10:12: es gibt auch frei verfügbare Videosequenzen im Internet wo man mal sieht wie sie wirklich aktiv auf den Jagd gehen nach anderen Fliegenmaden.
00:10:21: das können die sehr gut.
00:10:23: und ja... Einfach nur eine zusätzliche Art für uns.
00:10:27: jetzt.
00:10:28: in dem großen Spektrum der forensischen Entomologie wissen wir genau, wenn gezackte Maden da sind dann müssen wir gar nicht lange überlegen.
00:10:35: Dann ist das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Krusomiya Albiceps weil derartig gezackte Maden am Leichnam kann fast nur diese Art sein.
00:10:45: und diese Befürchtung dass die Euch also quasi die Spuren komplett wegfrisst, die hast du gar nicht.
00:10:51: Diese Fliege ist auch beim Fressen der anderen Magen ein bisschen schlampig?
00:10:55: Genau!
00:10:55: Also sie übersieht tatsächlich Futter und das ist natürlich auch in der Natur gar nicht so vorgesehen dass jetzt eine Art anfängt da ein Ökosystem zu verändern, dass sie sämtliche andere Tiere vernichtet sondern es ist eine Futterquelle die halt nicht zu hundert Prozent erschlossen wird was natürlich aber dann aus medialer Sicht nicht reiserisch genug klingt.
00:11:16: und deswegen muss man halt schreiben, die forensischen Entomologen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit arbeitslos oder man stellt es direkt als Frage.
00:11:24: Werden jetzt alle forensischen entomologien arbeitslose?
00:11:27: Und ja so wird's dann geschrieben und das ist halt auch so eine... naja man muss halt sagen so ne kleine Angewohnheit dass man so einen fraglichen Fakt dann so über groß darstellt.
00:11:40: Keine Angst, die forensischen Entomologen werden auch weiterhin gebraucht und wie gesagt diese Art kommt zum einen nicht flächendeckend vor.
00:11:49: Und zum anderen schafft sie es nicht den kompletten toten Körper von andern Maden leer zu
00:11:55: räumen.".
00:11:56: Also da fühle ich mich als Medienvertreter jetzt ein bisschen ertappt.
00:12:00: Denn wir neigen natürlich dazu unsere Inhalte, die wir aufbereiten so interessant wie möglich zu machen Und dazu brauchen wir in der Regel eine prägnante Aussage.
00:12:10: So was wie alle Endtomologen werden jetzt arbeitslos, ist natürlich eine Big-Aussage – sie ist aber eigentlich falsch!
00:12:17: Genau und das ist leider sowas wo man auch mit den Onlinemedien so ein bisschen schärfer ins Gericht gehen muss weil solche Aussagen können uns im Zukunft tatsächlich auch Probleme bereiten.
00:12:31: ich möchte da zum Beispiel mal auf den blauvioletten Ölkäfer zu sprechen kommen der seit Jahren mittlerweile in jedem Frühjahr wieder als der mürderischste Käfer überhaupt dargestellt wird.
00:12:43: Da sterben Kinder auf Spielplätzen und dann ist er auch einmal irgendwo in einem anderen Bundesland gefunden worden, ja das Gift was er produzieren kann ist auch mitunter tödlich giftig aber in der kompletten rechtsmedizinischen Fachliteratur gab es noch keinen Todesfall der durch den Käfer verursacht wurde.
00:13:03: Durch das Gift, was man auch synthetisch herstellen kann sind schon Leute umgekommen.
00:13:07: Aber niemals in Zusammenhang mit dem Käfer.
00:13:11: Also jeder der diesen Käfer beispielsweise ist spuckt ihn sofort wieder aus weil dieses Gift erst mal auf Schleimhäute so bösartig reizend wirkt dass man gar nicht auf die Idee kommt den hinter zu schlucken sondern sofort der Schmerzreiz zum Ausspucken führt.
00:13:24: also ein weder Hund noch Kind ist jemals am Käfer gestorben und jährlich steht es wieder an der Zeitung jetzt ist der Ölkäfer wieder da.
00:13:32: Ja, ich habe ja nun auch schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel und habe noch nie in meinem ganzen Leben gehört, dass ein Mensch in Deutschland an einem giftigen Käfer gestorben wäre.
00:13:44: Genau das ist es!
00:13:46: Und die viel größeren Gefahren – hier sind wir wieder beim Klimawandel – werden eigentlich vom Otto-Normal-Bürger gerne übersehen mit diesen wärmeren Klimaverhältnissen.
00:14:02: Und das ist genau der Punkt.
00:14:04: Wir bewegen uns ja jetzt so in der Eins Komma fünf bis eins Komma acht Grad Erwärmung, der Durchschnittstemperatur Das reicht aber schon aus um hier wieder Mückenarten Heimischwerten zu lassen die teils fieseste Krankheiten übertragen können.
00:14:21: und wenn diese mückenarten erst mal als Dauerhaftes Insekt etabliert sind es wirklich nur noch ein sehr kurzer Schritt Bis wir beim Malaria beispielsweise sind und wir hören es ja jetzt gerade vom Kreuzfahrtschiff mit dem Hunter-Virus.
00:14:40: Das ist derzeit noch ein eher geringes Problem, aber wenn wir hier wirklich wieder Mücken haben die Malaria übertragen können weil wir uns einfach vom Klimawandel eben nicht direkt angesprochen fühlen Wir werden es erleben dass hier erste Fälle Einheimische Malaria auch auftreten und das dauert nicht mehr lang.
00:15:02: Das ist wirklich nur eine Frage von wenigen Jahren und vielleicht nicht mal einem Jahrzehnt, wenn es mit der Erwärmung so weitergeht und der Winter immer häufiger frostfrei bleibt weil dann können diese Mücken auch problemlos überwintern.
00:15:15: Und dann haben wir im wahrsten Sinne des Wortes den Salat und Wir haben auch jetzt schon teilweise Einwanderer aus Italien und sowas was durchaus nützliche Insekten sind zum Beispiel die blauviolette Holzbiene die man jetzt im Frühjahr immer häufiger sieht, die ergänzt quasi unser Ökosystem positiv.
00:15:34: Aber es gibt eben auch Konkurrenz für andere Insekten oder andere Gliedertiere zum Beispiel durch den Spinnenläufer der ein sehr guter Jäger ist das ist quasi hundert Füße mit sehr langen Beinen und der frisst quasi einheimischen Spinnen einfach schon das Futter weg Und damit entsteht dann halt eine Konkurrenz, wo vorher keine war und dann gehen vielleicht die Spinn zurück.
00:15:56: Das kann man jetzt noch nicht richtig abschätzen.
00:15:58: Aber das sind halt so Gedankenspiele weil irgendwas muss er fressen Er hat das gleiche Futter oder nutzt dass gleiche futter.
00:16:04: angebot wie bodenjagende spinn ist theoretisch auch als nützling in weim bergen gern gesehen weil der da als natürlicher predator
00:16:12: Die
00:16:13: schadinsekten weg holt.
00:16:14: aber Wie gesagt es muss man halt abwarten und das sind nicht nur die nützinge mit dem Klimawandel kommen, sondern dementsprechend auch Tiere die uns nachhaltig auch schaden können.
00:16:26: Ja
00:16:27: es ist ja immer wieder die Rede von dieser Tigermücke.
00:16:30: Genau da sind wir dann genau in diesem Themengebiet.
00:16:32: asiatische Tigermücke beispielsweise als Krankheitsüberträger als sogenannte Vektor kommt dann eben wieder ins Blickfeld und
00:16:40: ich hatte zwotausendzwölf erstaunlicherweise eine Tigermütke auf meinem Arm sitzen.
00:16:45: das war in Halle.
00:16:47: Ich hab die erst gar nicht erkannt, ich wusste ja nicht was das ist.
00:16:50: Ich habe nur diese hochgebogenen Hinterbeine gesehen, braun-weiß gestreift waren die und ... Das ist eigentlich ganz klar eine Tigermücke gewesen.
00:17:00: Es ist auch ganz spannend.
00:17:01: jeder kann mithelfen Mücken zu überwachen.
00:17:04: also wenn du irgendwo eine Mücke hast in der Wohnung und die fällt dir irgendwie komisch ins Auge dann kannst du dein Glas drüber stülpen kannst sie quasi einsperren stellst du die ins Frostfach dass ihr abstürbt Und dann packst du die einfach mit ein bisschen Alkohol in eine kleine Dose und schickst sie ein.
00:17:21: Da freuen sich Wissenschaftler drüber, es funktioniert auch für Zecken.
00:17:25: Auch Zecken sind problematisch weil die mit Zugvögeln teilweise eingeschleppt werden aus Regionen wo sie halt natürlicherweise vorkommen und dann hier eben überwintern können.
00:17:35: da kann man als Insekten freudiger Insekten bewandert der Mensch durchaus der Wissenschaft auch unter die Arme greifen, weil man dann sofort aus verschiedensten Fundsituationen und Fundorten eine sehr große Übersicht hat was so vorkommt.
00:17:50: Und da freuen sich die Wissenschaftler tierisch drüber.
00:17:51: natürlich sollte man jetzt nicht das Tier nehmen was man sich gerade mit vollster Wucht auf dem Oberschenkel zerschmettert hat.
00:17:57: aber sobald man die Möglichkeit hat Mögen sauber zu fangen kann man sie einsenden und dann wird er also quasi ein großer Verbreitungsatlas erstellt um besseren Einblick zu haben, wo welche Mückenart denn jetzt vorkommt.
00:18:11: Was wäre denn die richtige Adresse, um so was zu verschicken?
00:18:14: Welcher Endtomologe freut sich dann über eine eingeschickte Mücke?
00:18:18: Da geht man einfach auf mückenatlas.com Und dann kann man Mückenjäger werden für den
00:18:25: Mücken-Atlas.
00:18:27: Das
00:18:27: steht dann zum Beispiel bisher haben über siebenunddreißigtausend Teilnehmer mehr als zweihundertsieben tausend Stechmücken für die Forschung gefangen und der Kontakt geht dann ans Leibniz-Zentrum für Agrar Landschaftsforschung, kurz ZALFEV.
00:18:43: Und das wird vom Friedrich Löffler Institut und vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit unterstützt.
00:18:50: Das kann man über ein ganz normales Kontaktformular anmelden.
00:18:54: so von wegen hier.
00:18:55: ich habe eine Tüte voll Mücken gefangen und da kann man die dahin schicken und dann freuen sie sich.
00:19:00: Ja
00:19:00: dort gibt es sicher auch nähere Anweisungen wie mit den Mücken zu verfahren
00:19:04: ist.
00:19:05: Und wie diese Mücken zu fangen sind, dass die dann auch für die Wissenschaft zu gebrauchen sind.
00:19:10: Wie ist das denn generell so?
00:19:12: Wie viele ... Also hast du regelmäßig mit Arten zu tun, die hier eigentlich nicht so hergehören?
00:19:18: Ja also es kommt immer häufiger vor und ich hatte beispielsweise mal eine Anfrage da hat eine Mutter mit der Kraft von zehn Berserkern eine Wanze zerschmettert, weil sie der Meinung war die kleinen Rötungen an den Beinen ihrer Kinder, die sonst woher hätten stammen können, seien von dieser Wanze.
00:19:34: Weil diese Wanze war durch einen Flugfehler im Kinderzimmer gelandet.
00:19:38: Mir wurden die kleinsten Bruchstücke der Wanze zur Verfügung gestellt und da kam dann raus es handelte sich um eine sogenannte nordamerikanische Zapfenwanze die also alles andere als Kinderbeine beißt, nämlich wie der Name schon sagt eher in Nordamerika an Zapfen saugt.
00:19:57: Die ist jetzt aber aufgrund der Fehleinschätzung wirklich zertrümmert worden und die ist auch eingeschleppt, die ist also schon vor ich glaube zehn Jahren oder so das erste Mal nachgewiesen wurden, kam sie also wahrscheinlich in einer Holzlieferung mit.
00:20:14: Normalerweise werden diese Lieferungen ja auch begast und alles Mögliche gemacht, damit solche Insekten eben nicht eingeschleppt werden.
00:20:21: Aber zum Schluss lässt sich es halt auch nicht vermeiden.
00:20:24: Und wenn man sich beispielsweise mal Zugrouten von Insektern anschaut, also Insekter ziehen genauso wie Zugvögel über die Alpen in Luftströmen kommen sie also Jahr für Jahr zu Zehntausenden bis zu Millionen über den Alpen geflogen.
00:20:38: Das sind dann einfach Bewegungen, die mit dem Klimawandel wieder einhergehen Manchmal früher, manchmal später, manchmal bleiben sie halt aus.
00:20:46: Und so werden wir hier vermutlich irgendwann eine Mischung aus unserer heutigen Insektenpopulation und der eher mediterran geprägten sehr flugfähigen Population auch haben!
00:21:00: Da zählen beispielsweise Schmetterlinge dazu, da zählern verschiedene Fliegen dazu... ...und letztlich auch die Mücken.
00:21:06: also es wird sich ändern und vermutlich nicht zum Guten.
00:21:12: Da kann man auch sagen, je wärmer es wird, desto mehr dieser Arten können dann eben auch überleben.
00:21:18: Und das ist halt einfach die Problematik.
00:21:21: Wollen wir das wirklich?
00:21:22: Also wollen wir irgendwann Mückenarten hier haben, die teils tödliche Erkrankungen verursachen können also allein fürs Gesundheitssystem was ohnehin schon an der Grenze.
00:21:33: echt weiß ich nicht ob's so notwendig ist uns da noch subtropische und tropische Krankheiten einzufliegen bzw als Vektoren dann hier verbreitet zu bekommen.
00:21:44: Wir haben ja auch die Zecken, die die Meningitis, also eine Gehirnhautentzündung übertragen können und dann auch Boreliose als bakterielle Krankheit.
00:21:54: Und jetzt stell dir mal vor!
00:21:55: Die Viecher könnten fliegen?
00:21:57: Ja...
00:21:57: Also um mit einer Zecke in Kontakt zu kommen musst du ja irgendwie in den Wald, muss durch die Wiese und irgendwann muss man glücklich ne Zeckel da irgendwo sitzen dass sie sich an dir festkrallen kann um dann zu den interessanten Teilen zu krabbeln um dort reinzubeißen.
00:22:11: Und jetzt stell dir vor, die Fächer könnten dir auch noch hinterherfliegen im Wald.
00:22:15: Ja und das wird dann eigentlich erst richtig kritisch wenn es dann eben auch um beispielsweise landwirtschaftliches Nutztier geht.
00:22:25: also da können dann auch Krankheiten wie das sogenannte Kuhfieber auch übertragen werden von Zecken.
00:22:30: Auch hier ist es natürlich wieder wichtig dass der Vektor passt.
00:22:33: aber der Vector mit der Auwalzecke ist theoretisch schon da eine besonders große, sehr bewegliche schnelle Zeckenart.
00:22:40: Die also auch wirklich aktiv dann den wird sucht.
00:22:44: und gegen die FSME kann man sich ja impfen lassen bei der Borreliose.
00:22:48: Kann es halt auch heute schon zuteils schwerwiegenden Folgen kommen?
00:22:52: Und jetzt muss man sich das vorstellen, dass da noch ein zwei Mückenarten dazu kommen, die uns im Sommer dann auch noch plagen und mitunter eben auch noch tödliche Viren übertragen können.
00:23:03: Da muss man dann halt auch aus Epidemiologischer Sicht mal gucken, ob nicht auch aus diesem Grund man dem Klimawandel in irgendeiner Form Einhalt gebietet.
00:23:16: Also nicht nur um diese Erwärmung zu stoppen sondern eben auch die Verbreitung von möglichen Krankheitsvektoren Einhalt zugebieten.
00:23:24: Dass diese Viecher zu uns kommen?
00:23:26: Und das ist nur ein kleiner Teil.
00:23:28: also wir müssen ja auch sehen wärmere Temperaturen für ältere Leute und Kinder nicht unbedingt gut letztlich den kompletten Wald auch eher von Nachteil.
00:23:39: Damit kommen Extremwetterereignisse auf uns zu, also die Liste lässt sich noch ein ganzes Stück fortführen und immer kommt der Mensch zu Schaden.
00:23:48: Also dieses Thema ist gerade überall vertreten.
00:23:52: aber letztendlich versucht man halt wirklich bloß Schaden vom Menschen wegzuhalten indem man schaden vom Ökosystem weghält weil sobald das ökossystem krankt krank der mensch schon lange.
00:24:03: und dass es halt sowas Das ist noch nicht bei jedem unbedingt angekommen, dass das eigentlich unser größtes existenzielles Problem ist auf so vielen Ebenen.
00:24:13: Also selbst wenn ich keinen Fluss vor meiner Haustür hab... Selbst wenn ich eine Klimaanlage im Haus habe, wenn mich die Mücke im Wald beißt und ich dann ne Malaria hab, hab' ich trotzdem einen mit dem Klimawandel in direkter Verbindung stehendes Problem.
00:24:27: Und das wird glaube ich, naja sagen wir mal an den nächsten zehn Jahren uns einholen!
00:24:33: Also wir können zumindest eine Entwarnung geben, was die Arbeitsplätze der... ich glaube es gibt ein halbes Dutzend Entomologen in Deutschland.
00:24:42: Du bist einer davon und was diese sechs Arbeitsplätzen angeht da geben wir Entwarning ist also
00:24:49: keine
00:24:49: invasiver Art, die den Entomologen so derartig die Spuren wegfrisst dass sie in Zukunft sich einen anderen Beruf suchen müssen.
00:24:58: aber wo wir keine Entwarnung geben können, sind invasive Arten generell.
00:25:03: Die sowohl Ökosysteme unheimlich stören können indem sie dort zum Beispiel als überlegende Raubtiere reinkommen und dann die ganze Population einer anderen Tierart wegfressen oder fast die Ganze.
00:25:16: da können wir keine entwarnungen geben.
00:25:17: also das wird ein Problem sein dass uns die nächsten Jahrzehnte wahrscheinlich sicherlich
00:25:24: Das auf jeden Fall.
00:25:25: Und
00:25:26: das Ganze verbinden wir noch mit ein bisschen Kritik an die Presse, die nicht immer so reiserische Überschriften schreiben sollte aber dafür gibt es ja uns und wir versuchen das ganze auf den Boden der Tatsache zurückzubringen.
00:25:39: Also zumindest sollte man bei den Insekten wenn man über Insekte schreibt nicht mit dem negativsten Fakt anfangen.
00:25:46: weil was machen die Leute?
00:25:47: sie sehen einen blauen Käfer denken oh mein Gott er ist giftig der bringt irgend jemanden um und dreht ihn drauf.
00:25:53: Das sollte man nicht tun, weil der Käfer hat auch seine Existenzberechtigung.
00:25:58: Der hat also einen ganz verrückten Lebensstil eigentlich aber... Man liest über ihn nur was er alles so schlechtes kann obwohl er es gar nicht macht und dann wird er halt ertreten.
00:26:09: und das ist wirklich nichts in uns weg der ganzen Geschichte.
00:26:11: Na vielleicht widmen wir diesem Ölkäfer auch mal eine eigene Folge für Rennsiktok?
00:26:16: Das
00:26:16: können wir sehr gern tun!
00:26:17: Weil Ich habe gehört, du hast damit einen Wissenschaftslam.
00:26:22: Ein Science-Slam gewonnen?
00:26:23: Genau!
00:26:23: Das ist so etwas ähnliches wie ein Poetry-Slamm.
00:26:25: Ja.
00:26:26: Nur da kommen Wissenschaftler wie Du und die tragen dort auch wirklich wissenschaftliche Dinge vor... Die beschäftigen sich allerdings mit Nischenthemen und dieser Ölkäfer isst so ein Nischen Thema.
00:26:36: Dieser
00:26:36: Ölkæfer IST ein Nischenthema und hat mir mittlerweile zum zweimaligen Sieg bei verschiedenen Science-Slams geholfen kommt immer sehr gut an muss ich wirklich sagen.
00:26:45: Also ich hab' mich ja auch schon mal in der Universität zu Leipzig, einen Vortrag von dir angeschaut.
00:26:50: Da ging es um Feulnis und Verwesung... ...und was sind die Unterschiede?
00:26:54: Was ist Verwäsung?
00:26:55: Was is'
00:26:55: Feulnis?".
00:26:57: Und das war ein hochinteressanter Vortag!
00:26:59: Einsweilen danke ich dir, Markus.
00:27:01: Ich bin sehr froh dass du nicht arbeitslos wirst durch invasive Arten.
00:27:06: Wir sehen uns in vierzehn Tagen wieder Bis
00:27:08: dahin Tschüss!
00:27:14: Mit Maximilian Rieg
00:27:16: und Dr.
00:27:16: Markus Schwarz
00:27:18: eine Produktion von RegioCast,
00:27:20: deutsches Radio-Unternehmen.
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